Donato Montanari, CEO von deevio, spricht über die Merkmale von KI-Unternehmen und die Rolle, die Daten in diesem Zusammenhang spielen und erklärt, warum vertikale KI-Unternehmen sehr gut aufgestellt sind, um Probleme in der Fertigungsindustrie zu lösen.


deevio ist ein KI-Unternehmen. Was bedeutet das eigentlich? Welche Kriterien muss ein Unternehmen erfüllen, um als KI-Unternehmen bezeichnet zu werden? 

Ich werde versuchen, das anhand eines Beispiels zu erklären. In den 1990er Jahren breitete sich das Internet aus und Unternehmen begannen dort Geschäfte zu machen. Das war der Beginn des E-Commerce. Viele Unternehmen, die Läden betrieben, dachten damals, dass sie nur eine Website bräuchten, um ein E-Commerce zu werden. Blicken wir 20 Jahre in die Zukunft, sehen wir, dass Amazon E-Commerce vollständig dominiert hat, während die meisten dieser traditionellen Unternehmen mit neuen Websites nicht besonders erfolgreich waren. Das war damals der Unterschied zwischen einem Internetunternehmen und einem Unternehmen, das kein echtes Internetunternehmen war. 

Gleiches gilt auch für KI. Im Allgemeinen gilt dieses Prinzip immer dann, wenn wir eine technologische Revolution erleben. Die KI-Revolution ist eine Revolution auf der Grundlage von Daten und der Fähigkeit, die Daten zu analysieren. Der Wert eines KI-Unternehmens ergibt sich somit aus den Daten, die es erfasst, speichert, verwaltet und analysiert. Wenn Sie ein Unternehmen haben, das Schuhe herstellt, haben Sie auf jeden Fall viele Daten über Ihre Schuhe. Aber haben Sie die Fähigkeiten, diese Daten zu analysieren? Wissen Sie, wie diese Daten verarbeitet werden müssen? Ist Ihr Unternehmen nach Daten oder nach Schuhtypen, die Sie produzieren, organisiert? Was diese Revolution in erster Linie bewirkt, ist eine andere Art der Organisation. Der typische Fehler, den Unternehmen machen, wenn sie KI-Unternehmen werden wollen, ist die Einstellung einiger neuer Mitarbeiter und die Einrichtung einer KI-Abteilung. Eine Abteilung, die fern ab von den anderen Geschäftseinheiten versucht, Probleme zu finden, die sie lösen kann. Auch wenn dieser Ansatz sehr umsichtig ist, ist er vor allem schwer zu skalieren. Stattdessen sollte die KI-Abteilung selbst zur Geschäftseinheit werden. Und genau das tun wir bei deevio: Von den Ingenieuren über den Kundendienst bis hin zum Vertrieb arbeiten alle an den Daten. 


Wenn wir jetzt deevio mit anderen KI-Unternehmen vergleichen, worin besteht der Unterschied zwischen deevio und anderen Unternehmen, die mit KI arbeiten?

Wenn wir über Unternehmen im KI-Bereich sprechen, gibt es zwei Kategorien: Horizontale Unternehmen und vertikale Unternehmen. Horizontale Unternehmen bieten in der Regel Tools, Dienste und Plattformen an, die andere Unternehmen nutzen können. Denken Sie zum Beispiel an Google TensorFlow. Denken Sie an alle Anbieter von Cloud-Diensten wie Amazon. Wenn Sie also ein Schuhunternehmen haben und mit der Nutzung von KI beginnen wollen, können Sie die Tools von Amazon oder Google einsetzen, um Ihre Daten zu analysieren. 

Vertikale Unternehmen hingegen versuchen, KI zur Lösung eines spezifischen Problems einzusetzen. Der wesentliche Unterschied zu einem horizontalen Unternehmen besteht darin, dass ein vertikales KI-Unternehmen über ein vertieftes Wissen zu dem Problem verfügt, das es zu lösen gilt. Es ist also besser ausgestattet, um die Daten zu analysieren und zu bearbeiten, weil es nah am spezifischen Problem ist. Es weiß, wie sich das Problem manifestiert, welche die kritischen Punkte sind und worauf bei den Daten geachtet werden muss. Die Expertise eines vertikalen KI-Unternehmens liegt also sowohl bei den Daten also auch beim spezifischen Problem, das gelöst werden soll. Bei deevio zum Beispiel arbeiten wir im Bereich Qualitätskontrolle. Die Qualitätskontrolle ist ein weites Feld, aber wir konzentrieren uns auf einen bestimmten Aspekt, die sogenannte End-of-Line-Qualitätskontrolle: die Person am Ende der Produktionslinie, die ein Produkt prüft, bevor es den Endverbraucher erreicht.


Gibt es weniger Wettbewerb als vertikales KI-Unternehmen?

Es ist ein anderer Wettbewerb. Befindet man sich in einem vertikalen Markt, ist der Konkurrent das traditionelle Geschäft. Vor der KI gab es andere Möglichkeiten, das Problem zu lösen. Im Fall von deevio ist die Konkurrenz kein anders KI-Unternehmen, sondern der Mensch, der die Qualitätskontrolle durchführt, sich durch diese neue Technologie bedroht fühlt und Angst hat, seinen Job zu verlieren. Im Allgemeinen konkurrieren vertikale KI-Unternehmen mit einer früheren Technologie, die bisher zur Lösung des Problems eingesetzt wurde. Diese Tatsache bringt Vor- und Nachteile mit sich. Der Hauptvorteil ist, dass wir, ausgestattet mit KI und Deep Learning, über eine bessere Technologie verfügen. Wir lösen das Problem besser. Der Nachteil ist, dass wir noch nicht über die Vertriebskanäle verfügen und dass wir uns immer wieder beweisen müssen, weil unser Verfahren neu ist, während die alte Lösung seit 20 Jahren funktioniert. Das macht den Wettbewerb schwierig: Man verdrängt Unternehmen, die eine sehr starke Bindung zu ihren Kunden haben und keinen Anreiz haben, unsere Technologie zu bewerben.


Wenn wir nun über Eure Kunden sprechen, was sind die Vorteile für sie? Wie hilft es den Unternehmen, dass Ihr ein vertikales Unternehmen sind? 

Der größte Vorteil ist, dass wir ihre jeweiligen Besonderheiten und Bedürfnisse sowie die spezifischen Probleme der End-of-Line-Qualitätskontrolle verstehen, da wir uns ausschließlich auf diesen Bereich konzentrieren. Wir verstehen, was es bedeutet, die Qualitätskontrolle am Ende der Produktionslinie durch Menschen durchführen zu lassen. Wir verstehen, dass die menschlichen Augen müde werden. Wir verstehen, dass der Zuckerspiegel sinkt, wenn man hungrig ist und man dadurch nicht so gut sieht wie man denkt. Und wir verstehen, welche Probleme wichtiger sind als andere. Deshalb können wir den Unternehmen dabei helfen, die relevanten Probleme bestmöglich zu lösen.

Und wie sieht es mit den Data Scientists von deevio aus? Was ist für Data Scientists besonders interessant an der Arbeit in einem vertikalen KI-Unternehmen?

Was es für unsere Data Scientists spannend macht, bei deevio zu arbeiten, ist, dass sie im Grunde genommen das Unternehmen sind, weil es an erster Stelle um Daten geht. Wenn man ein Data Scientist bei Zalando ist, ist man wichtig, weil man die Analysen dazu macht, wie viele Klicks es vom Interesse zum Kauf braucht, und die Statistiken über den so genannten halbleeren Einkaufskorb, der nicht verkauft wird. Das ist relevante und interessante Arbeit, aber am Ende verkauft Zalando Mode, sie verkaufen keine Daten. Wir bei deevio hingegen verkaufen tatsächlich Daten. Für unsere Data Scientists bedeutet das, dass sie mit den unterschiedlichsten Kunden mit verschiedenen konkreten Problemen konfrontiert werden und diese Probleme lösen. Sie interagieren direkt mit den Kunden und das macht ihnen viel Spaß. 


Im nächsten Artikel wird der COO von deevio, Damian Heimel, ausführlich über die Probleme und Möglichkeiten sprechen, die deevio im Bereich der Qualitätskontrolle am Ende der Produktionslinie identifiziert hat.

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Tuesday, August 20, 2019

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